Archiv für den Monat Juli 2012

Walk of the Dogs

Unglaublich. Wir haben einen Fußweg eine Straße weiter, an dem zur linken Seite und zur Rechten ebenfalls nur Einfamilienhäuser stehen. Und jeder zweite davon hat ein Hund. Und wenn ein Mensch vorbeiläuft, bellen diese Hunde. Diesen muss ich auf dem Weg zum Supermarkt mehr oder minder zwingend gehen (ich könnt auch um den Block laufen, aber die 5 Minuten für einen 10 Minuten Weg ist mir das nicht wert). Nun an diesem Tag ist es so gewesen, dass gefühltermaßen alle Hunde draußen waren im Garten. Ich gehe diesen Weg entlang und werde erst von Links, dann von Rechts, dann wieder von Links und dann in Stereo angebellt. Ein erschreckendes als auch irgendwie seltsames Schauspiel. Auf dem Rückweg bin ich dann doch lieber um den Block gegangen, der eine Zaun mit dem größten aller Hunde erschien mir erschreckend niedrig für dieses Monstrum. 

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Drei Tage frei!!!

… und ich habe keinen Schimmer was ich damit anstellen soll. Ich habe die letzten Wochen meine zwei einzigen Seminartage perfekt mit Arbeit umrundet, so dass ich etwa 1 1/2 Tage frei hatte pro Woche. Und nun drei Tage am Stück und nach einer dreistündigen Veranstaltung über das wissenschaftliche Arbeiten wieder drei Tage.

Hilfe, ich habe den Umgang mit Freizeit verlernt! Studenweise schaue ich aufs Telefon ob nicht ein Anruf vom Chef oder Nichtganzsochef kommt. Nix, nada, niente. Ich habe schon mein Zimmer ausgemistet und gewischt, die Amaturen im Bad entkalkt, die Wäsche gewaschen und großteils gebügelt und, und, und. Ich glaube die Wohnung war lange nicht mehr so sauber – zuletzt zu meinen fAbiprüfungen nehem ich an.  Nun ja, ich gehe dann mal weiter die Fließenwände im Bad abwischen, das muss ja auch einmal gemacht werden…

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„Können Sie mir Zigaretten holen..?“

Ich arbeite ja als Aushilfe im Service eines Veranstaltungshotels. Ich arbeite wirklich gerne dort. Und ich glaube jeder der in der Gastronomie arbeitet kennt den folgenden Satz:

Können Sie mir nicht eine Packung Zigaretten holen?

Oder ebenfalls sehr schön und häufig gebraucht:

Möchten sie mir nicht eine Packung Zigaretten bringen?

Also wollen, tu‘ ich das schon einmal gar nicht. Und von unserer Direktion gibt es die Anweisungen, dass Zigaretten nur an der Bar verkauft werden dürfen – und ich bin Restaurant. Nicht Bar. Also nein, ich will, weder kann ich ihnen eine Packung bringen. Die meisten verstehen das auch, und fragen dann nach dem Weg zur Bar. So aber nicht ein Gast gestern, dessen Tisch ich gerade abräumte. „Und wen muss ich hier schmieren, dass man mir Zigaretten bringt?“ Ich antwortete weiterhin, die gibt es nur an der Bar, wenn er jedoch einen Barkeeper hier vorbeilaufen sieht könnte er ihn gerne Fragen ob er ihm eine Packung bringt. „Sie verstehen mich nicht, wen muss ich hier schmieren, dass man mir eine Packung Zigaretten bringt?“ Fragte er eindringlicher. Ich erklärte im weiterhin, dass es Zigaretten leider nur an der Bar gäbe und er sie bitte dort holen müsste. „Sie verstehen schon, was ich mit „schmieren“ meine?“, fragte er mich daraufhin. „Natürlich verstehe ich das, jedoch müssen sie sich ihre Zigaretten trotzdem an der Bar holen. Es tut mir Leid.“ Da ich gerade das letzte Glas von seinem Tisch nahm, schaute ich ihn lächelnd an und fragte ihn: „Haben sie sonst noch Wünsche? Möchten sie noch etwas bestellen?“ Er wollte nichts weiter. Aber zwei weitere Kollegen durften der selben Frage standhalten.

Versteht mich nicht Falsch, ich hätte ihm schon seine Zigaretten gebracht (man kommt im Laufe des Abends ja doch öfters mal an der Bar vorbei). Nur wenn es nicht einfach so wäre, dass wenn man einmal bei einer solchen Veranstaltung eine Ausnahme macht auf einmal alle wollen, dass man für sie eine Ausnahme macht. Und irgendwann ist man nur noch der Bimbo zum Zigaretten holen, und der nächste verlangt dann, dass man doch eine Ausnahme macht wie bei den anderen und ihm seine Kippen und seine Schachtel Hustenguttis vom Zimmer holt – denn immerhin muss ich dann ja nicht mal bis zur weiiiiit entfernten Bar laufen! (Aber in den 9. Stock und in seinem Zimmer die Schachtel suchen?? Nee danke.) Solche oder ganz andere Szenarien können sich daraus entwickeln. Außerdem ist die Anweisung von oben relativ strikt und da brauche ich mich als Aushilfe nicht zu widersetzen, da ist man doch mal schnell auf der Abschussliste.

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Morgens halb sechs in Praktikoncity…

… klingelt das Telefon. Das Praktikon ist krank und will seinen freien Montag zum auskurieren benutzen. Auf dem Display sieht man die Vorwahl des Arbeitgebers, aber es ist nicht mein regulärer Schichtleiter. Der hat mittlerweile seinen eigenen Klingelton. Ich nehme an es ist jemand von der Verwaltung … also geht man lieber mal ran.

Praktikon: „… Praktikon, Guten Tag .. *gähnen unterdrück*.. Wie kann ich ihnen behilflich sein?“

Nichtganzsochef: „Ja Hallo, hier Nichtganzsochef, könntest du jetzt ganz spontan im Frühstück arbeiten? 

Ich nehme ja eigentlich gerne jede Schicht an die ich kriegen kann, als Aushilfe ist man ja auch genau für sowas da, aber nicht nur, dass ich keinen Frühstücksservice mag, ich mag ihn noch weniger, wenn ich krank bin. Denn Morgens sollte man gute Laune versprühen und ich… naja, ich kriege erst gute Laune nach meinem gefühlten 200. Kaffee gegen 12 Uhr Mittags. Davor muss man aufpassen, dass ich den Gästen nicht ihren Kaffee wegsaufe.

 

 

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Neues aus dem Infusionszimmer #3

Infusion Nummer drei stand an. Und dieses Mal wollte ich zu meiner Ärztin! Immerhin hatte ich frei und konnte so in Allerherrgottsfrüh (9 Uhr Morgens) zur Medizinfrau. Meine Hausärztin hatte noch keinen Patientin und war selbst am Empfang. Also die 10€ gezahlt und mein Monatsrezept geholt und dann der Dame den gelben Zettel gegeben.

Frau Dr.: „Sie wissen, dass es sich um eine Selbstzahlerleistung handelt?“

Praktikon: „Japp. Ist das letzte Mal heute, habe es drei Mal verordnet bekommen.“

Frau Dr. „Ohne Kortison?“

Praktikon: „Ja, hab ich mich auch schon gewundert…“

Frau Dr.: „Ok, ich muss es dann nur noch bestellen, es ist am Montag dann da!“

Praktikon: „Urghs… ähm ok brauchen sie nicht, ich will die Therapie ungern unterbrechen, ich frage bei einem anderen Arzt nach, aber vielen herzlichen Dank!“

Also drei weitere örtliche Ärzte abgeklappert und einen weiteren im Nachbarort. Die HNO-Ärzte waren überfüllt und die Praxishelferinnen schmissen mich schon bevor ich etwas sagen konnte wieder raus. Die Hausärzte hatten es nicht. Also wieder auf in die Bereitschaftspraxis. Fall erklärt, Infusion bezahlt und ab in den Raum.

Ein junger, fescher Arzt kam rein, plauderte ein wenig mit mir über München (ich war einer der ersten Patienten des Tages) und legte mir fix den Zugang. Und von draußen kam Livemusik von zwei Männern mit Trommeln. (Praktisch so ne liege am Fenster), als diese von der Polizei wegkomplimentiert wurden war es erstmal ruhig. Und ich sah, dass in gut 15 Minuten das erste drittel der Infusion schon in mir war – Wow, dachte ich nur. Und plötzlich kam wieder Musik an meine Ohren – drei Jugendliche mit neonfarbenen Caps schafften es mich mit ihren Handys bis in den dritten Stock zu beschallen. Sehr… angenehm… Und da kamen meine Freunde die Gesetzeswächter wieder.

Und ehe ich mich versah war die Infusion leer. Wow. Etwas mehr als 30 Minuten später war ich durch – unglaublich. Wenn man das mehrstündige Infusionsdrama am Tag zuvor bedenkt, einfach genial. Um einem Fünfer leichter, der ist nämlich in die Kaffeekasse gewandert, verließ ich dir Praxis und möchte allen Arzthelferinnen und Ärzten welche in Bereitschaftspraxen arbeiten nur noch eines sagen:

Richtig fett Danke! 

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Kartenwahnsinn

Ich bin ja immer ein wenig chaotisch, aber meine Bank ist noch etwas chaotischer. Der lebende Beweis ist diese Geschichte.

Ich hatte es geschafft meine EC-Karte in einer Filiale meiner Bank vergessen. Also rufe ich paar Tage später dort an, ob die Karte gefunden worden sei – ja ist sie und an die Hauptverwaltung geschickt worden, die ich anrufen soll deswegen. So rufe ich also bei der Hauptverwaltung an. Die Karte ist dort aber noch nicht. Aber wenn sie dort ist, sollte sie an meine Filiale weitergeschickt werden, welche sie an mich weiterschickt. Dauer: Etwa eine Woche. Gut. Also wird gewartet.

2 Wochen später

Meine Bargeldvorräte sind langsam aber sicher leer. Sehr leer. So leer, mein Geldbeutel könnte ein schwarzes Loch sein. Also muss ich innerhalb der Öffnungszeiten bei der Bank sein und dort mit Personalausweis und Kontonummer Geld abheben. Nun, ich besuche die Schule und gehe nebenher arbeiten, an sich nicht schlimm, zumal ich gerade Ferien habe, wenn die einzige Filliale der Bank am anderen Ende der Stadt wäre (die Bank gehört jedoch zur Vielebankengruppe™ gehört und ich deswegen immer bei der Bank um die Ecke an den Automaten gehe). Und meine Arbeit am anderen anderen Ende. Und dazwischen muss ich irgendwie auch immer nach Großkuhdorf pendeln um zur Schule zu kommen (wobei ich dies nur noch zwei Mal die Woche machen muss – Seminarphase rockt!). Und da die Bank auch nur Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr offen hat, wird es zeitlich wirklich eng. Aber gut, wird halt in die Bank gehetzt (vor der Arbeit, schick in Hemd und Anzughose), die Schlange verflucht und am Ende die Schalterfrau mit einem netten Lächeln um einen Fuffi vom Konto gebeten. Ach und ob meine Karte denn schon angekommen sei. „Wie? Ihre Karte? Ich schau mal nach… Nein, die haben die in der Hauptfiliale noch.“ Ich glaube ich hab die Frau in dem Moment angeschaut wie ein Hirsch die Autoscheinwerfer. „Aber… sie können doch einmal anrufen, hier die Telefonnummer. Ich drücke ihnen die Daumen.“ Und so wurden ich und mein Geld hinauskomplimentiert. Am nächsten Tag also angerufen und nach zehn Minuten in der Warteschleife erfahre ich, meine Karte wurde deaktiviert. „Möchten sie denn wieder eine Karte haben?“, fragt mich die nette Dame. Natürlich wollte ich das!

So und langer Post kurzer Sinn: Die Karte ist seit einer Woche da. Fehlt nur noch der PIN, welcher (laut meiner Filiale) das Postzentrum heute verlassen sollte.

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Neues aus dem Infusionszimmer #2

Nun, neuer Tag, neues Glück. Die Arztsuche gestaltete sich nur leider etwas schwierig, denn ich musste ausnahmsweise mal im Frühdienst arbeiten und… nach 18 Uhr hat auch Montags kein Arzt mehr auf. Schöner Sch… Schellenkranz. Also auf ein weiteres Mal in die Bereitschaftspraxis. Da (natürlich) anderes Personal da ist, erkläre ich der netten Dame am Empfang mein Anliegen ( dass ich keinen Arzt mehr gefunden habe ob meiner Arbeitszeiten und ich daher mir ein weiteres Mal ihren Service erbitte), diese winkt mich durch direkt in das Infusionszimmer, wo ein neuer – mir sympathischer – Arzt durch die Türe reinschneit. Recht locker erklärt er mir, dass das ganze nicht so wild sei. Er fängt ein wenig Small Talk über das studieren an und Zack legt er mir dabei den Zugang. Sieht alles gut aus. Dieses mal steckt es halt mitten in meiner Neuro, aber das scheint niemanden weiter zu stören. Er bleibt noch ein wenig und schaut wie es läuft, plaudert noch ein wenig mit mir über Wartesemester und die ZVS und geht dann. Und etwa 5 Minuten später spüre ich wie mein Arm warm wird. Und die stelle wird dicker. „Das ist gaaaaanz normal“, denke ich mir. „Da ist immerhin ein Fremdkörper drinnen. Die Nadel mag dein Arm sicher nicht!“ Tja, aber es wird noch dicker. Und es fängt an leicht weh zu tun. Kurz mal einen Schmerz, das hatte ich am Tag davor Anfangs auch, ein kleiner kurzer Krampf im Arm, dann ist auf einmal wieder alles in Ordnung.  Als aber nicht einmal eine Minute später der Arm wieder anfängt zu Krampfen hört für mich der Spaß auf. Ich suche nach einem Rufknöpfchen für die Pflege und finde nur einen komischen Schlauch. Unsicher wofür der ist, wird einfach mal draufgedrückt. Da nichts sofort passiert drehe ich mir selbst die Infusion ab und warte bis die Arzthelferin kommt. Nach gut drei Minuten erscheint diese, eine etwas rundlichere, blonde Frau mit einem sonnigen Lächeln auf dem Gesicht. „Na, sind sie schon fertig?“, strahlt sie mich an. „Nicht ganz, ich hatte während der Infusion Schmerzen und zweimal einen Krampf im Arm. Die Infusionstelle ist auch angeschwollen (zeigt auf die immernoch vorhandene Schwellung), da habe ich mir die Infusion selber abgedreht und sie gerufen.“ Ich werde mit großen Augen angeschaut. „Oiii… das schaut nicht gut aus. Was machen wir jetzt bloß??“ „Hoffentlich mir einfach diese Nadel schnellstmöglich aus dem Arm ziehen und mir woanders wieder reinstechen“, denkt sich der Praktikon. Bevor ich jedoch etwas sagen konnte, antwortet die Dame: „Gut also, äh… die Infusion ist ja schon abgedreht… dann… soll ich die Nadel rausziehen? Vielleicht will das der Herr Doktor ja nochmal sehen? Also ich löse einfach schon einmal das Pflaster und dann… uiii… nein also ich zieh die da jetzt mal raus.“ Sagts und entfernt die Kanüle aus meinem Arm. Und… drückt sie mir in die Hand. „Halt sie die jetzt einfach mal bis der Doktor kommt, vielleicht will er sich die Nadel noch einmal anschauen!“ Bevor sie geht legt sie noch einmal alles für eine neue Infusion neben mich. Interessanterweise ist es dieses mal ein weißer anstelle eines grünen Butterflys. Aber wer weiß, vielleicht haben die ja in der Zwischenzeit den Hersteller gewechselt.

Man hat wirklich gemerkt, dass die Gute ein wenig verwirrt war! Und sie hat zumindest einen liebenswerten besorgten Eindruck gemacht, wenn auch leicht konfus 🙂

Nun der Doktor kam, schaut auf meine Hand und nimmt mir erst ein Mal die Nadel ab um sie prompt zu entsorgen. Auch der mir beigelegte Butterfly landet erstmal wieder direkt in der Schublade. Er holt einen Neuen (grünen) aus dem Schrank, schaut ihn an und meint „Neee, das geht so nicht!“ und schmeißt ihn weg. Und dann nimmt er wieder einen, sticht am anderen Arm an und wartet noch einmal kurz ob alles läuft. Scheint zu funktionieren. Beim hinausgehen meint er noch, dass ihm sowas fast nie passiere und er wohl daneben gestochen hat. Fünf Minuten später kommt eine andere Arzthelferin hinein und schaut sich das ganze an. Es ist wieder dick geworden, nicht ganz so dick wie zuvor, der Arm ist auch nicht heiß und krampft auch nicht oder tut weh… aber… es läuft auch nichts mehr. Der Arzt wird wieder geholt, der Butterfly landet im Müll und der nächste wird gesetzt. Dieses mal in die Vene an der Handkante. Beim Stechen meint er nur „scheiß Schlafmangel…“, auf die Frage wie lange er schon Schicht schiebe antwortete er nicht. Ich kann es verstehen, interessiert hätte es mich trotzdem. Aber immerhin, es tat nicht weh, aber ich durfte den Arm eigentlich nicht mehr bewegen. Das ganze tröpfelte dann auch mehr oder minder ermüdend vor sich hin – wurde aber nicht mehr dick. Die Schwester kam noch einmal dazu und öffnete die Belüftung der Tropfkammer damit es noch einmal weiter tropfte. Nach gut einer halben Stunde brach der Arzt dann das ganze ab, wobei 1/4 der Infusion im Beutel verblieben. Danach ging es erst einmal zu Subway, und da es Montag war konnte ich nicht einmal das Sub des Tages Essen. Schöne Scheiße. Egal, lecker war es trotzdem!

Und habt ihr mitgezählt wie viele Butterflys heute an mir vorbeigewandert sind ;)?

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Trinkgeld im Supermarkt

Fünfünundneunzisch büdde

Strahlt mir eine meiner Lieblingskassiererinnen in meinem Stammedeka entgegen. Also dieser Laden ist jetzt nicht gerade mein Stammladen, auf Grund seines muffigen Gemüses, seiner horrenden Preise oder seiner fragwürdigen Lagerhaltung… aber das Personal, das macht irrsinnig viel davon wieder wett, denn sie beraten gerne mal fröhlich und kennen das (teils begrenzte) Sortiment fast auswendig. Und sind dann auch noch wahnsinnig nett. Und der Laden liegt auch noch perfekt um die Ecke von meinem Haus.

Nun, wie immer wenn ich einen guten Tag habe und nicht mit EC-Karte bezahle, gebe ich ihr die restlichen fünf Cent als Trinkgeld. Und kling landen sie in ihrem kleinen Glasbehälter neben der Kasse, wo sich schon einige 1 – 10 Eurocent Münzen angesammelt haben. Ganz am Anfang, als ich ihr das erste Mal Trinkgeld gab hat sie mir erklärt, dass Kleinvieh auch Mist macht und wenn ein paar Leute über den Tag verteilt ein paar kleine Münzen als Trinkgeld geben, kommt am Abend schon einmal eine leckere Packung Eis zusammen. Oder man kann sich von dem Geld nach einer Arbeitswoche am Sonntag einen gemütlichen Besuch im Lieblingskaffee leisten.

Und ich weiß nicht warum, aber irgendwie hat mich diese Erklärung von ihr gefreut. Vielleicht, weil es mal gezeigt hat, dass Trinkgeld nicht nur ein Teil der Rechnung ist die man zahlt, sondern direkt an den Mitarbeiter geht. Und neben dieser kleinen Wertschätzung seiner Arbeit, kann er sich dann auch noch was schönes davon gönnen.

Wo gebt ihr eigentlich überall Trinkgeld?

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Neues aus dem Infusionszimmer #1

Also ich spare mir mal größere Vorstellungen und starte doch einfach mal durch. Kekse und Kaffee stehen hinten links ich hoffe das reicht für den Anfang.

Ich in meiner Funktion als Jugendlicher musste natürlich ein örtliches Volksfest mit Liveband besuchen. Tolle Stimmung, tolle Plätze. Es war wirklich genial! Musik laut, wie es sich gehört. Das Bier floss massweise. Allerdings war es nicht mehr so toll, als ich in mein Heim zurück kehrte und es fiepste auf dem Ohr. Und es immernoch fiepste als ich schlafen gehen wollte. Und auch beim Frühstück am nächsten Morgen, da fiepste es weiterhin. Fiep. Fiep. Fiiiiiiiiep.

Nun, da die Praktimum eine Frau mit eigenständigem Tinnitus ist, ist man da etwas vorgeprägt. Also erster Schritt: Arzt suchen. Sonntags ist das NICHT einfach, das lasst euch sagen. Meine Hausärztin war sowieso im Urlaub und der Rest hatte geschlossen. Schöne Schei… Scheibenwaschanlage. Auf Hinweis der Praktioma ging es als zur Bereitschaftspraxis. Da ich eine Woche später auch noch in den Urlaub fahren wollte und mich schon eine wochenlange Infusionstherapie machen lassen sah, war ich schon am überlegen wie ich das meiner Reiserücktrittsversicherung am besten erkläre. In der Praxis angekommen war alles unerwartet… entspannt. Ich hatte etwas mehr Hektik erwartet, erstaunlich. Die Ärztin (irgendwo aus dem östlichen Europa stammend) nahm mich auch nach nur kurzer Wartezeit in Empfang und schaute sich meine Ohren an. Tinnitus. Mit Hilfe der Arzthelferin erklärte sie mir dann auch noch, dass ich beim nächsten Mal doch bitte Wasser zwischen trinken soll und bei lauter Livemusik Ohrenstöpsel tragen. Sieht bescheiden aus aber am nächsten Tag ist das einzige was noch piepst der Wecker. Und mit den Worten „Sie noch juuuuung sind. Wir sie wieder gutt machän müssen! Wir sie wieder gutt kriegään!“ ließ sie mir eine Infusionstherapie verordnen. Über 3 Infusionen HAES 6% an aufeinanderfolgenden Tagen. Der Urlaub war gerettet.

Nun, nachdem die Vorgeschichte geklärt ist nun zum eigentlichen Beitrag. Denn es ging hernach direkt ins Infusionszimmer. Da HAES 6% bei solchem off-label use (danke an Pharmama über die ich diesen Begriff gelernt habe ;)) ) nicht von den Krankenkassen gezahlt wird, durfte ich es als IGel (Individuelle Gesundheitsleistung) bezahlen. Das erste mal: 10€ für eine 30 Minuten Infusion. Ich lag mich auf die liege, das Medikament, der Butterfly, das Desinfektionsmittel und die Blutabbindschlinge (wie heißt dieses Teil eigentlich?) wurden direkt neben mich gelegt. Erfreulich, ich konnte die Nadel also gleich begutachten. Grausig. Das Medikament selbst stammt dann auch noch von der Firma für die auch Praktimum in der Produktion arbeitet. Als ich ihr das schrieb, bekam ich erstmal ein „Oh weia“ gefolgt von einer Neben- und Wechselwirkungsliste. Mütterliche Fürsorge – besser als jeder Beipackzettel.

Nun kurz bevor die Ärztin kam, gesellte sich noch eine Frau zu mir, welche ebenfalls für eine HAES Infusion hier war. Wir unterhielten uns kurz und wünschten uns gegenseitig eine gute Genesung. Die Frau Doktor kam, entschied, dass es zu gefährlich sei in meine blühende Neurodermitis zu stechen und legte mir einen schmerzlosen, Zugang in die Hand. Auf Anhieb. Wirklich, 1A, davon kann sich mancher Arzt nochmal eine Scheibe abschneiden! Es floss dann auch problemlos los. Die Kollegin gegenüber wurde auch infundiert und dann ging das Getropfe im Duett weiter. Es folgten diese Aktivitäten: Warten, Blogs aufm iPhone lesen, Warten. Plötzlich rumpelte es draußen. Laut und deutlich. Jemand lallte, eine Frau kreischte. Und zwar kreischte sie die Arzthelferin an, dass sie ihre „inkompetenten Klauen“ von ihrem Freund wegnehmen solle. Als die beiden beruhigt wurden setzte man sie direkt vor unsere Tür. Die Arzthelferin kam nochmal rein und schaute kurz nach uns und dann stellte sie sich vor die Tür, eben jene leicht angelehnt an ihrem Rücken. Ich vermute mal, damit sie jederzeit einen Rückzug machen könnte wenn die Situation eskalieren würde. „Mein Freund hat einen Milzriss, er muss sofort behandelt werden!“, kam es in einem befehlsartigen Ton von der zuvor kreischenden Dame. Vom Mann kamen bestätigende Würg- und Kotzgeräusche.  Auf die Frage, weshalb sie nicht ins Krankenhaus sind, antwortete sie, dass man sie dort „bereits zweimal wieder weggeschickt habe.“ „Welches Krankenhaus?“, entgegnete die Arzthelferin. Eine Mischung aus Skepsis und Empörung lag in ihrer Stimme. „Praktisches Krankenhaus am praktischeren Ring, Station 69“, antwortete der Herr Patient.  Nun, die Bereitschaftspraxis besaß jedoch nicht die nötigen Einrichtungen um so einen Notfall zu behandeln. Die Arzthelferin bat an ein Taxi zum nächsten Krankenhaus zu rufen. „Ich fahre ihn selber!“, entgegnete die junge Frau. Und das Angebot, auf eine Überweisung zum Krankenhaus wurde mit den Worten: „Ich merke, wenn wir nicht erwünscht sind!“, vom Patienten selbst abgeschmettert. Bald darauf wurde es vor der Tür ruhiger. Etwa 20 Minuten später kam die Arzthelferin nochmal hinein zu uns, schüttelte immer noch den Kopf, und stöpselte uns ab.

Und bei „Neues aus dem Infusionszimmer #2“ erfahrt ihr, wie viele Butterflys an einem Patienten verbraten werden können, am Fallbeispiel „Praktikon“.

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