Kleine Wochenendanekdote

Ich sitze auf der Bank, vor meinem Cocktail und schaue ein wenig herum. Erschöpft vom Tanzen (was ich im Club gerne mache, aber nicht kann) nuckle ich an meinem Cocktail und starre gedankenverloren gerade aus. In meinem Kopf bin ich gerade bei dem Schnuckel mit dem karierten Hemd. Leider hat er eine Freundin. Ich grinse ein wenig bei dem Gedanken, wie ich sie an eine gute Freundin vermittle und …

„Ich hoffe für dich, dass du stockschwul bist!“

Plötzlich steht eine seltsam aufgetakelte Tusse neben mir und schaut mich wutentbrannt an. Ich reibe mir kurz mein linkes Ohr, in welches sie gerade hineingebrüllt hat. „Was, wie, wer, ich? Ja, ich bin schwul, warum?“ Frage ich etwas irritiert zurück. Sie schaut einen Moment genauso verwirrt wie ich. „Du hast doch meine Freundin angegafft, ganz klar! Die will nix von dir!“ Ich schaue sie mit hochgezogener Augenbraue an und entgegne: „Ich auch nicht von ihr. Falsches Geschlecht. Hab gerade nur nachgedacht und nicht deine Freundin begutachtet, sorry wenns so gewirkt hat!“ „Den Scheiß kannst du wem anders erzählen!“ Sagts und stakst auf ihren (zu) hohen Absätzen davon. Unbeeindruckt von diesem Zwischenfall drehe ich mich zur Seite und beobachte nun den Bildschirm, auf welchem verschiedene Cocktails angepriesen werden. Zufälligerweise tanzt darunter das karierte Hemd.

Und das nächste Mal nehme ich eine Indoor-Sonnenbrille mit. Hatte ich mir doch das letzte Mal schon vorgenommen.

(So ähnlich in echt mir dieses Wochenende passiert, den genauen Wortlaut weiß ich aber nicht mehr. Ich war halt doch gedanklich woanders und das war nicht mein erstes Getränk.)

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9 Gedanken zu „Kleine Wochenendanekdote

  1. gnaddrig sagt:

    Das klingt nach handfestem confirmation bias seitens der streitbaren Dame. Sie meinte, Du hättest ihrer Freundin hinterhergestarrt, und alles, was Du sagst, kann das nur bestätigen oder wird als Lüge oder Schutzbehauptung wahrgenommen. Gut, dass es dann keinen echten Ärger gegeben hat!

    • praktikon sagt:

      Ich mein ist doch klar, die Freundin war vermutlich so unwiderstehlich, dass ich sie nur hätte anstarren können, etwas anderes wäre vollkommen absurd gewesen. Verraten hab ich mich dann dadurch, dass ich bestreite die – wohl sehr einnehmende – Existenz überhaupt nicht wahrgenommen zu haben.
      Dass die Dame so „friedvoll“ war, hat mich rückwirkend auch sehr gefreut.

      • gnaddrig sagt:

        Naja, es ist sicher keine dumme Idee, potenziellen Nervensägen gleich deutlich zu machen, dass sie nicht erwünscht sind. Dass es dann auch mal den Falschen trifft, lässt sich wohl kaum vermeiden. Aber solange sich dabei niemand blutige Nasen holt, ist das wohl auch nicht so schlimm.

      • praktikon sagt:

        Da geb ich dir allerdings Recht 😉

  2. hijack sagt:

    Hach Gottchen, wat empfindlich, die Dame. oO Hat sie sich eine eigentlich hetero-Dame gekrallt und dementsprechend bei jedem Männerblick Sorge, dass ihr ihre eigentlich gar nicht lesbische Freundin davon rennt?
    Könnte man fast meinen.
    (Und ich dachte immer, die „Ey, guggst Du meine Frau an, odä was?!“-Äußerungen wären nur einer bestimmten Ecke zuzordnen. *g*)

  3. Die arme Freundin – darf nicht mal für sich selbst reden… völlig unterjocht

  4. Alexander sagt:

    Potentielle Nervensägen aussortieren????????

    Damit meinen Sie sicher normale Clubbesucher, die ein Recht darauf haben mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, ohne, dass sie deswegen so dreißt angegangen werden!!!!!

    Und dann soll man Ihrer werten Meinung nach auch noch froh sein, dass es keine blutige Nase gab????

    Diese widerwärtige, MÄNNERFEINDLICHE Beispiel bestätigt mich nur noch mehr darin, dass es Zeitverschwendudung ist Clubs zu besuchen.

    Überteurete Getränke und Menschen, die einen grundlos beleidigen oder sogar gleich zuschlagen? NEIN DANKE!!!

    • praktikon sagt:

      Da ich auf beiden Seiten stehe – im hetero Club als Mann und potentieller Jäger und Alibi meiner Freundinnen, im schwulen Club als potentielle Beute – verstehe ich die Dame ein wenig. Ihre Art war nicht vollkommen korrekt, ihr Vorhaben aber nicht unangebracht. Man muss wirklich manchmal einen gewissen Verteidigungsmodus im Club haben, da es einige Männer gibt die nicht gerade zimperlich an die Sache rangehen.

      Ich verstehe es, wenn sie es als Zeitverschwendung betrachten in Clubs zu gehen, jeder hat dazu seine eigene Meinung und nicht jeder Club ist gleich (ein Beispiel aus München: Das Klientel in der Nachtgalerie wird ganz anders sein als das im P1). Überteuert sind die Getränke nur bedingt, wenn man überlegt, dass der Preis sich aus mehr zusammensetzt als der Ware 😉

      Das mit der blutigen Nase bezieht sich darauf, dass viele Menschen unter Alkohol und wenn verwirrt/von einer Situation eingenommen schnell agressiv werden 🙂

      P.S.: Ich habe in einem ähnlichen Fall sogar Mal einen Tequila ausgegeben bekommen, von einer Dame der der Zwischenfall irre peinlich war 😀 Und die war nicht Mal so penetrant wie dieses Mädl xD

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