Schlagwort-Archive: Geld

Überall Frühschicht, wohin man auch schaut!

„Du musst die Teller nicht jedes Mal extra in die Spüle schleppen“, schaute er mich an und zeigte erklärend auf ein Tablett mit ein bisschen schmutzigem Geschirr. „Wir sammeln das immer hier und bringen es dann hinter!“ Öhm, okay, also gut die 5 Schritte extra hätten mich jetzt nicht umgebracht, aber wenn ihr das im Frühstück so „appetitlich“ regelt. Gut, eure Sache. Ich richte mich danach und stapele also das schmutzige Geschirr nun auf der Servicestation.

Weiter im Text, Japaner und Esotanten bedienen. Die Esotanten sind mir dabei lieber, die lächeln immer fröhlich und sind sonst ruhig und leise und immer nett. Die Japaner kann ich, vor allem die männlichen, nicht einschätzen ob sie mit meinem Service zufrieden oder unzufrieden sind.

Ich bin gerade dabei einen Tisch wieder herzurichten, welche eine Gruppe Japaner verlassen hat, da ertönt auf einmal eine alte, rostige Stimme hinter mir: „Ist das der Frühstückssaal?“ Ich drehe mich um und sehe einen älteren Herren so um die 70-80 Jahre alt, der mich erwartend anschaut. „Ja, hier findet das Frühstück statt. Nehmen sie doch schon einmal an einem freien Tisch Platz und ich bringe ihnen sofort etwas Kaffee!“ „Sehr gut, sehr gut“, spricht der alte Herr und setzt sich an den nächsten freien Tisch. Dieser Tisch ist aber, wohlgemerkt wurden etwa 50% des Tisches zuvor von anderen Gästen benutzt und noch nicht wieder hergerichtet. Doch ihn scheint das nicht zu stören. Mich aber schon – denn ich muss nun um ihn herum arbeiten. Ich decke also seinen Tisch fix um und bringe ihm Kaffee. Da sehe ich schon die nächsten betagten Herrschaften aus seiner Reisegruppe kommen. Der Araber schleicht ihnen, mit eine Kanne Kaffee und einer Morgenzeitung bewaffnet, hinterher um sie direkt an ihrem Tisch abfangen und beglücken kann.

Ich beobachte die Szenerie und denke mir nur eines:

„Ich bin ein Spätschichtler! Holt mich hier raus!“

Die älteren Herrschaften sind pflegeleicht und schwanken zwischen Morgenmuffel und freundlich. Ich wünsche einen guten Tag und selbst die Oma mit Krückstock ist meistens schneller beim Kaffeeautomaten als ich bei ihr mit meiner Kanne. Mein Kaffeekannenabsatz ist an diesem Morgen desaströs. Gleichsam meiner Laune. Gegen zehn bringe ich das Geschirr weg und mein Kollege frägt ob er was dagegen hat, wenn ich mit ihm tausche und Besteck poliere. Ich drücke ihm meinen Plan in die Hand und kralle mir alles Besteck was da ist.

Ich merke wie mich die Schlaflosigkeit einholt. Abgesehen von einer Tasse mit laschem Kaffee hab ich kein Koffein getrunken. Ich schlendere also zu dem nächsten Kasten Besteck und sehe eine Schildkröte, wie sie mich von Rechts überholt. Sau, wäre sie nicht so schnell gewesen hätte ich mir ihr Nummernschild notiert. Ich poliere weiter. Eine der Hotelfachfrauen überrascht mich von hinten und frägt mich, ob ich nicht etwas Zeit über hätte beim Abbauen eines anderen Frühstückbuffets zu helfen. Klar, kein Problem. Fertig poliert und ab nach oben und das Gefühl gehabt, gegen eine Wand aus Hitze zu laufen. Eigentlich dachte ich immer, die Sauna wäre unten beim Spa, aber da scheine ich mich bisher getäuscht zu haben.

Buffet abgebaut, neues Buffet für das Mittagessen des Esoterikkongress aufgebaut. Wieder nach unten, weiter poliert. Die Uhr an der Mikrowelle zeigte plötzlich 11. Und da hörte ich auch schon das Gerumpel – die Kaffeekannen kamen angeholpert. Unser gesamtes Arsenal an warmhaltenden Kannen, von groß bis klein, von dick bis dünn stand nun erwartungsvoll vor mir und wollte poliert und gereinigt werden, blöd nur, dass unsere Waschbecken keine zweieinhalb Badewannen groß sind! Also die gesamte Serviceküche mit Kaffeekannen, welche nur mit heißem Wasser und Putzmittel gefüllt waren blockiert.

Scheißdregg, das kann lustig werden. Aber tatsächlich habe ich sie in einer dreiviertel Stunde geschafft – und Punkt 12 konnten wir alle Pause machen. Mein Magen freute sich – denn endlich gab es was zu Essen. (Für alle Detailfetischisten: Große Portion Salat mit Putenfleisch).

Mitten in der Pause kam ein unheilvolle Anruf: Die Pendelschwinger seien nicht zufrieden mit ihrem Speisesaal, für das Abendessen wünschen sie sich etwas anderes und wir sollten doch bitte wenn sie fertig sind alles in den Saal drei Stockwerke höher bringen. Mittagessen endet um 15 Uhr. 15:30 war Schichtende angesagt. Ich rieche Überstunden (gegen die ich eigentlich nichts habe, aber ich werde langsam seeeehr müde!). Also nach der Pause und nachdem auch der letzte Rest Besteck wegpoliert war wieder nach oben, Buffet abgebaut, Tische abgebaut, alles nach oben gekarrt und wieder aufgebaut. Zwischendrin wurde das Personal ausgetauscht – denn plötzlich stand die Spätschicht dabei und hat umgebaut, während die Frühschicht raus war. Ich war das letzte Überbleibsel. Bis 17 Uhr – dann konnte ich gehen. Ich packte meine Tasche und dachte mir dabei nur eines:

„Nie, nie, nie wieder Frühstücksdienst!“

Ich verließ, völlig übermüdet, die Umkleide da kam mir Chef 2 entgegen: „Praktikooooon, was stellst du morgen so an?“ „Öh.. bisher nichts?“ „Sehr gut, hättest du Interesse morgen Früh noch einmal zu Arbeiten? Wir haben kurzfristig noch zwei Reisegruppen reinbekommen! 115 Leute!“ Ich – vollkommen überrumpelt – antworte fröhlich: „Ja, klar warum nicht!“  Inkonsequenz lässt grüßen.

Und die Moral von der Geschichte… warte bis das Telefon klingelt! Denn zwei Stunden später rief mich Chef 2 noch einmal an meinte, dass ein Buchungsfehler vorlag und ich frei habe, denn die Gruppe käme nicht. So konnte ich heute Morgen also ganz gemütlich ausschlafen. Bis die Straßenarbeiten vor meinem Fenster wieder losgingen.

Und diesmal meine ich es ernst: Nie wieder Frühschicht! Besonders nicht Sonntags, wenn die Gäste auch noch Zeit haben!

Advertisements
Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Morgenstund hat Kaffee im Mund…

„Kaffee, Kaffee, Kaffee“

So in etwa sah mein Denken gestern beim einstempeln in den Frühdienst aus.

„Kaffee, Bett, Kaffee, Bett, Kaffee,…“

So beim ausstempeln. Aber fangen wir doch noch mal ganz von vorne an.

Ich hasse Frühschicht. Und mit diesem Gedanken schaute ich auf meinen Wecker, der 4:12 anzeigte. Um 5 Uhr würde dieses unheilvolle Mistding wieder klingeln. Und ich konnte nicht schlafen. Scheißdregg bassiert halt, trinkste dann halt mal 2 Liter Kaffee am Morgen.

Zeitsprung, 6 Uhr. Der Protagonist springt geschockt aus dem Bett – verschlafen. Eine halbe Stunde noch bis ich frisch und fröhlich am Restaurantempfang stehen müsste und allen Gästen ein fröhliches „Guten Morgen/Good Morning/Bonjour/ohayô gozaimasu“ entgegenschmettern müsste. Also die Morgenroutine aufs kürzeste getrimmt (was in gewagten Situationen wie einer Zähneputz-Dusch-Haarewasch-Fingernägelkürz-Kombo endete), einen Joghurt hinuntergeschlungen – denn voraussichtlich würde ich acht Stunden lang nichts zu essen zu kriegen – und rauf aufs Fahrrad.

6:39, verschwitztes stürmen des Personaleingangs. Scheiße, wie war nochmal der Code für die Tür? Ach genau, wie für mein Handy bloß mit ner 9 statt einer 2. Also rein, umgezogen, hingestellt, Deo verflucht, gelächelt und den Kaffee gesucht.

6:50 Ich bin da. Die Gäste nicht. Eine andere Aushilfe kommt (ausgeschlafen und munter) herein, winkt mir zu, geht Richtung umkleide. Seltsam. Er kommt umgezogen wieder heraus, stellt sich neben mich und wundert sich, dass ich schon so früh da sei – und ob ich vor Dienstantritt nicht noch einen Kaffee trinken möchte in der Kantine. Ja, wie, Dienst geht doch schon seit 20 Minuten?

Denkste. Schichtbeginn – 7:00. Steht auch blau auf weiß auf unserem Dienstplan (wieso zur Hölle drucken sie die eigentlich zur Zeit in blau??). Der Tag fängt ja schon gut an. Ein Blick auf die Uhr verrät dann aber, mit einem Kaffee könnte es eng werden. Da kommt auch schon das Hotelfachpersonal auf uns zu. Ich kenne keinen davon – aus der Frühschicht kenne ich ohnehin bloß unsere Springerin. Mein erstes Mal Frühschicht – und ich habe keine Ahnung, was ich machen soll. Ich weiß nur eines – ich vermisse die Spätschicht jetzt schon.

Also die Routine gestartet und gesehen – das Buffet sieht komplett anders aus. Wie eine Kaffeepause, nur mit mehr Brötchen. Also die To-Do-Liste angesagt bekommen. Die Kollegen interpretieren das wohl so, dass ich neu angefangen habe. Ich bekomme auch erklärt wo ich was finde und wie die Dinge in die Spüle eingeräumt werden müssen. Meine Einwände, dass ich bereits seit fast einem Jahr dort Arbeite – nur halt immer Abends – werden ignoriert. Vielleicht verstehen sie auch nur meine Sprache nicht. Oder mein Mund ist zu Müde sich zu bewegen. Wir haben drei große Gruppen da: Eine Seniorengruppe, eine japanische Reisegruppe und einen Esoterikkongress, außerdem noch eine gute Hand voll Hausgästen.

Die Japaner kommen zuerst – und laden sich tellerweise auf. Mein Kaffeeangebot wird ignoriert, stattdessen holt man sich lieber drei Tassen Kaffee vom Vollautomaten und kichert wenn ich die überschüssige Tasse, welche für den freien Ausschank bereitgestellt wird, vom Tisch räume. Die Frauen versuchen sich in ihrem Englisch – auch wenn sie es oft nicht beherrschen – und einem Rest japanisch, welches ich dank eines halben Jahres Unterricht in dieser Sprache halbwegs verstehe. Die Männer reden irgendwas, ich verstehe es nicht. Ich hoffe, das gibt keine Beschwerde.  Irgendwo zwischendrin hat sich da bereits der Esoterikkongress eingeschlichen, sie wollen alle Tee – und sie wollen alle wissen wo er steht. Kristallkugeln hat keine von ihnen dabei, auspendeln lassen sich die Kräutermischungen wohl auch nicht. Also stelle ich mich tapfer jeder Nachfrage.

Einer der Hotelfachleute, ein kleiner Araber mit wirrem Haar und einer verchromten Brille auf der Nase, winkt mich zu sich. Er schaut ernst. Ich schlucke, räume noch drei Teller bei einer Gruppe kichernder junger Japanerinnen ab welche gerade amüsiert Weißwürste und Brezen begutachten und bewege mich auf ihn zu. Hilfesuchend schaue ich mich nach meinem Kollegen um – nicht da, er ist wohl Kannen putzen.

Scheißdregg, was hab ich falsch gemacht?

 

_____ CUT ____

Und da ich jetzt leider los muss, heißt es Fortsetzung folgt!

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,

Wie auf heißen Kohlen

Ich sitze hier und warte und warte und warte und aktualisiere meinen Maileingang. Denn ich habe mich für einen Kurs angemeldet! Was für einer das ist, verrate ich erst in zwei Wochen wenn ich euch über die Kurstage berichte (und das hoffentlich daran anschließende Praktikum in eben diesem Bereich) – aaaaaber ich muss warten. Und zwar auf die Unterlagen die mir per E-Mail zum vorlernen zugesendet werden. Und das „c.a. zwei Wochen vor Kursbeginn“.

Ich sitze hier wirklich wie auf heißen Kohlen!

Getaggt mit , , , , , , ,

Kartenwahnsinn

Ich bin ja immer ein wenig chaotisch, aber meine Bank ist noch etwas chaotischer. Der lebende Beweis ist diese Geschichte.

Ich hatte es geschafft meine EC-Karte in einer Filiale meiner Bank vergessen. Also rufe ich paar Tage später dort an, ob die Karte gefunden worden sei – ja ist sie und an die Hauptverwaltung geschickt worden, die ich anrufen soll deswegen. So rufe ich also bei der Hauptverwaltung an. Die Karte ist dort aber noch nicht. Aber wenn sie dort ist, sollte sie an meine Filiale weitergeschickt werden, welche sie an mich weiterschickt. Dauer: Etwa eine Woche. Gut. Also wird gewartet.

2 Wochen später

Meine Bargeldvorräte sind langsam aber sicher leer. Sehr leer. So leer, mein Geldbeutel könnte ein schwarzes Loch sein. Also muss ich innerhalb der Öffnungszeiten bei der Bank sein und dort mit Personalausweis und Kontonummer Geld abheben. Nun, ich besuche die Schule und gehe nebenher arbeiten, an sich nicht schlimm, zumal ich gerade Ferien habe, wenn die einzige Filliale der Bank am anderen Ende der Stadt wäre (die Bank gehört jedoch zur Vielebankengruppe™ gehört und ich deswegen immer bei der Bank um die Ecke an den Automaten gehe). Und meine Arbeit am anderen anderen Ende. Und dazwischen muss ich irgendwie auch immer nach Großkuhdorf pendeln um zur Schule zu kommen (wobei ich dies nur noch zwei Mal die Woche machen muss – Seminarphase rockt!). Und da die Bank auch nur Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr offen hat, wird es zeitlich wirklich eng. Aber gut, wird halt in die Bank gehetzt (vor der Arbeit, schick in Hemd und Anzughose), die Schlange verflucht und am Ende die Schalterfrau mit einem netten Lächeln um einen Fuffi vom Konto gebeten. Ach und ob meine Karte denn schon angekommen sei. „Wie? Ihre Karte? Ich schau mal nach… Nein, die haben die in der Hauptfiliale noch.“ Ich glaube ich hab die Frau in dem Moment angeschaut wie ein Hirsch die Autoscheinwerfer. „Aber… sie können doch einmal anrufen, hier die Telefonnummer. Ich drücke ihnen die Daumen.“ Und so wurden ich und mein Geld hinauskomplimentiert. Am nächsten Tag also angerufen und nach zehn Minuten in der Warteschleife erfahre ich, meine Karte wurde deaktiviert. „Möchten sie denn wieder eine Karte haben?“, fragt mich die nette Dame. Natürlich wollte ich das!

So und langer Post kurzer Sinn: Die Karte ist seit einer Woche da. Fehlt nur noch der PIN, welcher (laut meiner Filiale) das Postzentrum heute verlassen sollte.

Getaggt mit , , , , , , , , ,

Trinkgeld im Supermarkt

Fünfünundneunzisch büdde

Strahlt mir eine meiner Lieblingskassiererinnen in meinem Stammedeka entgegen. Also dieser Laden ist jetzt nicht gerade mein Stammladen, auf Grund seines muffigen Gemüses, seiner horrenden Preise oder seiner fragwürdigen Lagerhaltung… aber das Personal, das macht irrsinnig viel davon wieder wett, denn sie beraten gerne mal fröhlich und kennen das (teils begrenzte) Sortiment fast auswendig. Und sind dann auch noch wahnsinnig nett. Und der Laden liegt auch noch perfekt um die Ecke von meinem Haus.

Nun, wie immer wenn ich einen guten Tag habe und nicht mit EC-Karte bezahle, gebe ich ihr die restlichen fünf Cent als Trinkgeld. Und kling landen sie in ihrem kleinen Glasbehälter neben der Kasse, wo sich schon einige 1 – 10 Eurocent Münzen angesammelt haben. Ganz am Anfang, als ich ihr das erste Mal Trinkgeld gab hat sie mir erklärt, dass Kleinvieh auch Mist macht und wenn ein paar Leute über den Tag verteilt ein paar kleine Münzen als Trinkgeld geben, kommt am Abend schon einmal eine leckere Packung Eis zusammen. Oder man kann sich von dem Geld nach einer Arbeitswoche am Sonntag einen gemütlichen Besuch im Lieblingskaffee leisten.

Und ich weiß nicht warum, aber irgendwie hat mich diese Erklärung von ihr gefreut. Vielleicht, weil es mal gezeigt hat, dass Trinkgeld nicht nur ein Teil der Rechnung ist die man zahlt, sondern direkt an den Mitarbeiter geht. Und neben dieser kleinen Wertschätzung seiner Arbeit, kann er sich dann auch noch was schönes davon gönnen.

Wo gebt ihr eigentlich überall Trinkgeld?

Getaggt mit , , ,