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Vielen Dank, dass sie den Roomservice angerufen haben!

Heute hat eine sehr seltsame Reisegruppe eingecheckt. Ich habe heute den Posten des Roomservicekellners übernommen und um halb Zwölf nachts klingelt mein Telefon.

Praktikon: „Vielen Dank, dass sie den Roomservice angerufen haben! Mein Name ist Praktikon, wie darf ich ihnen helfen?“

Anrufer: „Jaaa.. äh… hallo. Mein Name ist Herr Seltsam und ich habe hier ein Problem.“

Praktion: „Was haben sie denn für ein Problem?“

Anrufer: „Ja ich habe gerade meine Herdplatte angesteckt, und die wird nicht heiß, aber dafür blinkt hier so ein Licht. Was soll ich machen?“

Ähm… ja… Herdplatte? Aufm Zimmer? Daaaaaas soll Mal die Rezepetion klären.

Praktikon: „Ich kenne mich mit der Technik leider nicht aus. Sie können sich jedoch an die Rezeption wenden, unter 999!“

Gäste-Turfing. Eine Fähigkeit in der ich täglich besser werde u_pritti

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Wo genau bin ich nochmal gelandet..?

Aufgeregtes Geschwätz herrscht. Wir sind viele, denn heute sind alle Betten belegt. Der Mitarbeiterkaffee war auch schon einmal besser aber darüber lässt sich hinewegsehen.

„Station 3 bräuchte noch ein wenig Unterstützung!“, ruft eine Kollegin aus. Zwei Leute gehen gemütlich los richtig automatische Türe. Ich trage rosa, genauso wie fünf andere Leute, wieder andere Tragen burgunderrot, die nächsten blau, vier grün und eine handvoll schwarz. So lassen sich die einzelnen Abteilungen super auseinanderhalten.

„Miiilch, wo ist die miiiiilch… ohne krieg ich das nicht herunter!“, jammert jemand. Ebenfalls in Rosa. Johanna, eine Kollegin.

Plötzlich geht’s los. An jedem Gürtel leuchtet ein Lichtlein am Haustelefon auf, alle schnappen sich einen Wagen und rennen los. Jetzt muss alles schnell gehen, sobald das Signal kommt muss in 15 Minuten alles gelaufen sein, sonst wars das. Aus die Maus. Finito.  Tumult an den Türen, Wägen werden knapp. Einige tragen große Behältnisse in der Hand mit allerlei Dingen. Ein blau gekleideter junger Mann haut noch eine Packung Pflaster auf den Wagen vor sich.  Jeder Handgriff muss jetzt sitzen.

Was los war? Das war 2011, Dezember. So sah die „Pause“ bei meinem ersten großen Bankett aus. Alle Abteilungen versammelt und alle stets auf Abruf. Die Haustelefone wie Pieper am Gürtel. Rückblickend betrachtet könnte die Szene so ähnlich auch in einem Krankenhaus stattgefunden haben. Allgemein, hat der Dienst am Menschen und der Dienst am Gast doch einige parallelen. Ich sollte vielleicht mal die Branche wechseln?

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Überall Frühschicht, wohin man auch schaut!

„Du musst die Teller nicht jedes Mal extra in die Spüle schleppen“, schaute er mich an und zeigte erklärend auf ein Tablett mit ein bisschen schmutzigem Geschirr. „Wir sammeln das immer hier und bringen es dann hinter!“ Öhm, okay, also gut die 5 Schritte extra hätten mich jetzt nicht umgebracht, aber wenn ihr das im Frühstück so „appetitlich“ regelt. Gut, eure Sache. Ich richte mich danach und stapele also das schmutzige Geschirr nun auf der Servicestation.

Weiter im Text, Japaner und Esotanten bedienen. Die Esotanten sind mir dabei lieber, die lächeln immer fröhlich und sind sonst ruhig und leise und immer nett. Die Japaner kann ich, vor allem die männlichen, nicht einschätzen ob sie mit meinem Service zufrieden oder unzufrieden sind.

Ich bin gerade dabei einen Tisch wieder herzurichten, welche eine Gruppe Japaner verlassen hat, da ertönt auf einmal eine alte, rostige Stimme hinter mir: „Ist das der Frühstückssaal?“ Ich drehe mich um und sehe einen älteren Herren so um die 70-80 Jahre alt, der mich erwartend anschaut. „Ja, hier findet das Frühstück statt. Nehmen sie doch schon einmal an einem freien Tisch Platz und ich bringe ihnen sofort etwas Kaffee!“ „Sehr gut, sehr gut“, spricht der alte Herr und setzt sich an den nächsten freien Tisch. Dieser Tisch ist aber, wohlgemerkt wurden etwa 50% des Tisches zuvor von anderen Gästen benutzt und noch nicht wieder hergerichtet. Doch ihn scheint das nicht zu stören. Mich aber schon – denn ich muss nun um ihn herum arbeiten. Ich decke also seinen Tisch fix um und bringe ihm Kaffee. Da sehe ich schon die nächsten betagten Herrschaften aus seiner Reisegruppe kommen. Der Araber schleicht ihnen, mit eine Kanne Kaffee und einer Morgenzeitung bewaffnet, hinterher um sie direkt an ihrem Tisch abfangen und beglücken kann.

Ich beobachte die Szenerie und denke mir nur eines:

„Ich bin ein Spätschichtler! Holt mich hier raus!“

Die älteren Herrschaften sind pflegeleicht und schwanken zwischen Morgenmuffel und freundlich. Ich wünsche einen guten Tag und selbst die Oma mit Krückstock ist meistens schneller beim Kaffeeautomaten als ich bei ihr mit meiner Kanne. Mein Kaffeekannenabsatz ist an diesem Morgen desaströs. Gleichsam meiner Laune. Gegen zehn bringe ich das Geschirr weg und mein Kollege frägt ob er was dagegen hat, wenn ich mit ihm tausche und Besteck poliere. Ich drücke ihm meinen Plan in die Hand und kralle mir alles Besteck was da ist.

Ich merke wie mich die Schlaflosigkeit einholt. Abgesehen von einer Tasse mit laschem Kaffee hab ich kein Koffein getrunken. Ich schlendere also zu dem nächsten Kasten Besteck und sehe eine Schildkröte, wie sie mich von Rechts überholt. Sau, wäre sie nicht so schnell gewesen hätte ich mir ihr Nummernschild notiert. Ich poliere weiter. Eine der Hotelfachfrauen überrascht mich von hinten und frägt mich, ob ich nicht etwas Zeit über hätte beim Abbauen eines anderen Frühstückbuffets zu helfen. Klar, kein Problem. Fertig poliert und ab nach oben und das Gefühl gehabt, gegen eine Wand aus Hitze zu laufen. Eigentlich dachte ich immer, die Sauna wäre unten beim Spa, aber da scheine ich mich bisher getäuscht zu haben.

Buffet abgebaut, neues Buffet für das Mittagessen des Esoterikkongress aufgebaut. Wieder nach unten, weiter poliert. Die Uhr an der Mikrowelle zeigte plötzlich 11. Und da hörte ich auch schon das Gerumpel – die Kaffeekannen kamen angeholpert. Unser gesamtes Arsenal an warmhaltenden Kannen, von groß bis klein, von dick bis dünn stand nun erwartungsvoll vor mir und wollte poliert und gereinigt werden, blöd nur, dass unsere Waschbecken keine zweieinhalb Badewannen groß sind! Also die gesamte Serviceküche mit Kaffeekannen, welche nur mit heißem Wasser und Putzmittel gefüllt waren blockiert.

Scheißdregg, das kann lustig werden. Aber tatsächlich habe ich sie in einer dreiviertel Stunde geschafft – und Punkt 12 konnten wir alle Pause machen. Mein Magen freute sich – denn endlich gab es was zu Essen. (Für alle Detailfetischisten: Große Portion Salat mit Putenfleisch).

Mitten in der Pause kam ein unheilvolle Anruf: Die Pendelschwinger seien nicht zufrieden mit ihrem Speisesaal, für das Abendessen wünschen sie sich etwas anderes und wir sollten doch bitte wenn sie fertig sind alles in den Saal drei Stockwerke höher bringen. Mittagessen endet um 15 Uhr. 15:30 war Schichtende angesagt. Ich rieche Überstunden (gegen die ich eigentlich nichts habe, aber ich werde langsam seeeehr müde!). Also nach der Pause und nachdem auch der letzte Rest Besteck wegpoliert war wieder nach oben, Buffet abgebaut, Tische abgebaut, alles nach oben gekarrt und wieder aufgebaut. Zwischendrin wurde das Personal ausgetauscht – denn plötzlich stand die Spätschicht dabei und hat umgebaut, während die Frühschicht raus war. Ich war das letzte Überbleibsel. Bis 17 Uhr – dann konnte ich gehen. Ich packte meine Tasche und dachte mir dabei nur eines:

„Nie, nie, nie wieder Frühstücksdienst!“

Ich verließ, völlig übermüdet, die Umkleide da kam mir Chef 2 entgegen: „Praktikooooon, was stellst du morgen so an?“ „Öh.. bisher nichts?“ „Sehr gut, hättest du Interesse morgen Früh noch einmal zu Arbeiten? Wir haben kurzfristig noch zwei Reisegruppen reinbekommen! 115 Leute!“ Ich – vollkommen überrumpelt – antworte fröhlich: „Ja, klar warum nicht!“  Inkonsequenz lässt grüßen.

Und die Moral von der Geschichte… warte bis das Telefon klingelt! Denn zwei Stunden später rief mich Chef 2 noch einmal an meinte, dass ein Buchungsfehler vorlag und ich frei habe, denn die Gruppe käme nicht. So konnte ich heute Morgen also ganz gemütlich ausschlafen. Bis die Straßenarbeiten vor meinem Fenster wieder losgingen.

Und diesmal meine ich es ernst: Nie wieder Frühschicht! Besonders nicht Sonntags, wenn die Gäste auch noch Zeit haben!

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Morgenstund hat Kaffee im Mund…

„Kaffee, Kaffee, Kaffee“

So in etwa sah mein Denken gestern beim einstempeln in den Frühdienst aus.

„Kaffee, Bett, Kaffee, Bett, Kaffee,…“

So beim ausstempeln. Aber fangen wir doch noch mal ganz von vorne an.

Ich hasse Frühschicht. Und mit diesem Gedanken schaute ich auf meinen Wecker, der 4:12 anzeigte. Um 5 Uhr würde dieses unheilvolle Mistding wieder klingeln. Und ich konnte nicht schlafen. Scheißdregg bassiert halt, trinkste dann halt mal 2 Liter Kaffee am Morgen.

Zeitsprung, 6 Uhr. Der Protagonist springt geschockt aus dem Bett – verschlafen. Eine halbe Stunde noch bis ich frisch und fröhlich am Restaurantempfang stehen müsste und allen Gästen ein fröhliches „Guten Morgen/Good Morning/Bonjour/ohayô gozaimasu“ entgegenschmettern müsste. Also die Morgenroutine aufs kürzeste getrimmt (was in gewagten Situationen wie einer Zähneputz-Dusch-Haarewasch-Fingernägelkürz-Kombo endete), einen Joghurt hinuntergeschlungen – denn voraussichtlich würde ich acht Stunden lang nichts zu essen zu kriegen – und rauf aufs Fahrrad.

6:39, verschwitztes stürmen des Personaleingangs. Scheiße, wie war nochmal der Code für die Tür? Ach genau, wie für mein Handy bloß mit ner 9 statt einer 2. Also rein, umgezogen, hingestellt, Deo verflucht, gelächelt und den Kaffee gesucht.

6:50 Ich bin da. Die Gäste nicht. Eine andere Aushilfe kommt (ausgeschlafen und munter) herein, winkt mir zu, geht Richtung umkleide. Seltsam. Er kommt umgezogen wieder heraus, stellt sich neben mich und wundert sich, dass ich schon so früh da sei – und ob ich vor Dienstantritt nicht noch einen Kaffee trinken möchte in der Kantine. Ja, wie, Dienst geht doch schon seit 20 Minuten?

Denkste. Schichtbeginn – 7:00. Steht auch blau auf weiß auf unserem Dienstplan (wieso zur Hölle drucken sie die eigentlich zur Zeit in blau??). Der Tag fängt ja schon gut an. Ein Blick auf die Uhr verrät dann aber, mit einem Kaffee könnte es eng werden. Da kommt auch schon das Hotelfachpersonal auf uns zu. Ich kenne keinen davon – aus der Frühschicht kenne ich ohnehin bloß unsere Springerin. Mein erstes Mal Frühschicht – und ich habe keine Ahnung, was ich machen soll. Ich weiß nur eines – ich vermisse die Spätschicht jetzt schon.

Also die Routine gestartet und gesehen – das Buffet sieht komplett anders aus. Wie eine Kaffeepause, nur mit mehr Brötchen. Also die To-Do-Liste angesagt bekommen. Die Kollegen interpretieren das wohl so, dass ich neu angefangen habe. Ich bekomme auch erklärt wo ich was finde und wie die Dinge in die Spüle eingeräumt werden müssen. Meine Einwände, dass ich bereits seit fast einem Jahr dort Arbeite – nur halt immer Abends – werden ignoriert. Vielleicht verstehen sie auch nur meine Sprache nicht. Oder mein Mund ist zu Müde sich zu bewegen. Wir haben drei große Gruppen da: Eine Seniorengruppe, eine japanische Reisegruppe und einen Esoterikkongress, außerdem noch eine gute Hand voll Hausgästen.

Die Japaner kommen zuerst – und laden sich tellerweise auf. Mein Kaffeeangebot wird ignoriert, stattdessen holt man sich lieber drei Tassen Kaffee vom Vollautomaten und kichert wenn ich die überschüssige Tasse, welche für den freien Ausschank bereitgestellt wird, vom Tisch räume. Die Frauen versuchen sich in ihrem Englisch – auch wenn sie es oft nicht beherrschen – und einem Rest japanisch, welches ich dank eines halben Jahres Unterricht in dieser Sprache halbwegs verstehe. Die Männer reden irgendwas, ich verstehe es nicht. Ich hoffe, das gibt keine Beschwerde.  Irgendwo zwischendrin hat sich da bereits der Esoterikkongress eingeschlichen, sie wollen alle Tee – und sie wollen alle wissen wo er steht. Kristallkugeln hat keine von ihnen dabei, auspendeln lassen sich die Kräutermischungen wohl auch nicht. Also stelle ich mich tapfer jeder Nachfrage.

Einer der Hotelfachleute, ein kleiner Araber mit wirrem Haar und einer verchromten Brille auf der Nase, winkt mich zu sich. Er schaut ernst. Ich schlucke, räume noch drei Teller bei einer Gruppe kichernder junger Japanerinnen ab welche gerade amüsiert Weißwürste und Brezen begutachten und bewege mich auf ihn zu. Hilfesuchend schaue ich mich nach meinem Kollegen um – nicht da, er ist wohl Kannen putzen.

Scheißdregg, was hab ich falsch gemacht?

 

_____ CUT ____

Und da ich jetzt leider los muss, heißt es Fortsetzung folgt!

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Drei Tage frei!!!

… und ich habe keinen Schimmer was ich damit anstellen soll. Ich habe die letzten Wochen meine zwei einzigen Seminartage perfekt mit Arbeit umrundet, so dass ich etwa 1 1/2 Tage frei hatte pro Woche. Und nun drei Tage am Stück und nach einer dreistündigen Veranstaltung über das wissenschaftliche Arbeiten wieder drei Tage.

Hilfe, ich habe den Umgang mit Freizeit verlernt! Studenweise schaue ich aufs Telefon ob nicht ein Anruf vom Chef oder Nichtganzsochef kommt. Nix, nada, niente. Ich habe schon mein Zimmer ausgemistet und gewischt, die Amaturen im Bad entkalkt, die Wäsche gewaschen und großteils gebügelt und, und, und. Ich glaube die Wohnung war lange nicht mehr so sauber – zuletzt zu meinen fAbiprüfungen nehem ich an.  Nun ja, ich gehe dann mal weiter die Fließenwände im Bad abwischen, das muss ja auch einmal gemacht werden…

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„Können Sie mir Zigaretten holen..?“

Ich arbeite ja als Aushilfe im Service eines Veranstaltungshotels. Ich arbeite wirklich gerne dort. Und ich glaube jeder der in der Gastronomie arbeitet kennt den folgenden Satz:

Können Sie mir nicht eine Packung Zigaretten holen?

Oder ebenfalls sehr schön und häufig gebraucht:

Möchten sie mir nicht eine Packung Zigaretten bringen?

Also wollen, tu‘ ich das schon einmal gar nicht. Und von unserer Direktion gibt es die Anweisungen, dass Zigaretten nur an der Bar verkauft werden dürfen – und ich bin Restaurant. Nicht Bar. Also nein, ich will, weder kann ich ihnen eine Packung bringen. Die meisten verstehen das auch, und fragen dann nach dem Weg zur Bar. So aber nicht ein Gast gestern, dessen Tisch ich gerade abräumte. „Und wen muss ich hier schmieren, dass man mir Zigaretten bringt?“ Ich antwortete weiterhin, die gibt es nur an der Bar, wenn er jedoch einen Barkeeper hier vorbeilaufen sieht könnte er ihn gerne Fragen ob er ihm eine Packung bringt. „Sie verstehen mich nicht, wen muss ich hier schmieren, dass man mir eine Packung Zigaretten bringt?“ Fragte er eindringlicher. Ich erklärte im weiterhin, dass es Zigaretten leider nur an der Bar gäbe und er sie bitte dort holen müsste. „Sie verstehen schon, was ich mit „schmieren“ meine?“, fragte er mich daraufhin. „Natürlich verstehe ich das, jedoch müssen sie sich ihre Zigaretten trotzdem an der Bar holen. Es tut mir Leid.“ Da ich gerade das letzte Glas von seinem Tisch nahm, schaute ich ihn lächelnd an und fragte ihn: „Haben sie sonst noch Wünsche? Möchten sie noch etwas bestellen?“ Er wollte nichts weiter. Aber zwei weitere Kollegen durften der selben Frage standhalten.

Versteht mich nicht Falsch, ich hätte ihm schon seine Zigaretten gebracht (man kommt im Laufe des Abends ja doch öfters mal an der Bar vorbei). Nur wenn es nicht einfach so wäre, dass wenn man einmal bei einer solchen Veranstaltung eine Ausnahme macht auf einmal alle wollen, dass man für sie eine Ausnahme macht. Und irgendwann ist man nur noch der Bimbo zum Zigaretten holen, und der nächste verlangt dann, dass man doch eine Ausnahme macht wie bei den anderen und ihm seine Kippen und seine Schachtel Hustenguttis vom Zimmer holt – denn immerhin muss ich dann ja nicht mal bis zur weiiiiit entfernten Bar laufen! (Aber in den 9. Stock und in seinem Zimmer die Schachtel suchen?? Nee danke.) Solche oder ganz andere Szenarien können sich daraus entwickeln. Außerdem ist die Anweisung von oben relativ strikt und da brauche ich mich als Aushilfe nicht zu widersetzen, da ist man doch mal schnell auf der Abschussliste.

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Kartenwahnsinn

Ich bin ja immer ein wenig chaotisch, aber meine Bank ist noch etwas chaotischer. Der lebende Beweis ist diese Geschichte.

Ich hatte es geschafft meine EC-Karte in einer Filiale meiner Bank vergessen. Also rufe ich paar Tage später dort an, ob die Karte gefunden worden sei – ja ist sie und an die Hauptverwaltung geschickt worden, die ich anrufen soll deswegen. So rufe ich also bei der Hauptverwaltung an. Die Karte ist dort aber noch nicht. Aber wenn sie dort ist, sollte sie an meine Filiale weitergeschickt werden, welche sie an mich weiterschickt. Dauer: Etwa eine Woche. Gut. Also wird gewartet.

2 Wochen später

Meine Bargeldvorräte sind langsam aber sicher leer. Sehr leer. So leer, mein Geldbeutel könnte ein schwarzes Loch sein. Also muss ich innerhalb der Öffnungszeiten bei der Bank sein und dort mit Personalausweis und Kontonummer Geld abheben. Nun, ich besuche die Schule und gehe nebenher arbeiten, an sich nicht schlimm, zumal ich gerade Ferien habe, wenn die einzige Filliale der Bank am anderen Ende der Stadt wäre (die Bank gehört jedoch zur Vielebankengruppe™ gehört und ich deswegen immer bei der Bank um die Ecke an den Automaten gehe). Und meine Arbeit am anderen anderen Ende. Und dazwischen muss ich irgendwie auch immer nach Großkuhdorf pendeln um zur Schule zu kommen (wobei ich dies nur noch zwei Mal die Woche machen muss – Seminarphase rockt!). Und da die Bank auch nur Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr offen hat, wird es zeitlich wirklich eng. Aber gut, wird halt in die Bank gehetzt (vor der Arbeit, schick in Hemd und Anzughose), die Schlange verflucht und am Ende die Schalterfrau mit einem netten Lächeln um einen Fuffi vom Konto gebeten. Ach und ob meine Karte denn schon angekommen sei. „Wie? Ihre Karte? Ich schau mal nach… Nein, die haben die in der Hauptfiliale noch.“ Ich glaube ich hab die Frau in dem Moment angeschaut wie ein Hirsch die Autoscheinwerfer. „Aber… sie können doch einmal anrufen, hier die Telefonnummer. Ich drücke ihnen die Daumen.“ Und so wurden ich und mein Geld hinauskomplimentiert. Am nächsten Tag also angerufen und nach zehn Minuten in der Warteschleife erfahre ich, meine Karte wurde deaktiviert. „Möchten sie denn wieder eine Karte haben?“, fragt mich die nette Dame. Natürlich wollte ich das!

So und langer Post kurzer Sinn: Die Karte ist seit einer Woche da. Fehlt nur noch der PIN, welcher (laut meiner Filiale) das Postzentrum heute verlassen sollte.

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Neues aus dem Infusionszimmer #1

Also ich spare mir mal größere Vorstellungen und starte doch einfach mal durch. Kekse und Kaffee stehen hinten links ich hoffe das reicht für den Anfang.

Ich in meiner Funktion als Jugendlicher musste natürlich ein örtliches Volksfest mit Liveband besuchen. Tolle Stimmung, tolle Plätze. Es war wirklich genial! Musik laut, wie es sich gehört. Das Bier floss massweise. Allerdings war es nicht mehr so toll, als ich in mein Heim zurück kehrte und es fiepste auf dem Ohr. Und es immernoch fiepste als ich schlafen gehen wollte. Und auch beim Frühstück am nächsten Morgen, da fiepste es weiterhin. Fiep. Fiep. Fiiiiiiiiep.

Nun, da die Praktimum eine Frau mit eigenständigem Tinnitus ist, ist man da etwas vorgeprägt. Also erster Schritt: Arzt suchen. Sonntags ist das NICHT einfach, das lasst euch sagen. Meine Hausärztin war sowieso im Urlaub und der Rest hatte geschlossen. Schöne Schei… Scheibenwaschanlage. Auf Hinweis der Praktioma ging es als zur Bereitschaftspraxis. Da ich eine Woche später auch noch in den Urlaub fahren wollte und mich schon eine wochenlange Infusionstherapie machen lassen sah, war ich schon am überlegen wie ich das meiner Reiserücktrittsversicherung am besten erkläre. In der Praxis angekommen war alles unerwartet… entspannt. Ich hatte etwas mehr Hektik erwartet, erstaunlich. Die Ärztin (irgendwo aus dem östlichen Europa stammend) nahm mich auch nach nur kurzer Wartezeit in Empfang und schaute sich meine Ohren an. Tinnitus. Mit Hilfe der Arzthelferin erklärte sie mir dann auch noch, dass ich beim nächsten Mal doch bitte Wasser zwischen trinken soll und bei lauter Livemusik Ohrenstöpsel tragen. Sieht bescheiden aus aber am nächsten Tag ist das einzige was noch piepst der Wecker. Und mit den Worten „Sie noch juuuuung sind. Wir sie wieder gutt machän müssen! Wir sie wieder gutt kriegään!“ ließ sie mir eine Infusionstherapie verordnen. Über 3 Infusionen HAES 6% an aufeinanderfolgenden Tagen. Der Urlaub war gerettet.

Nun, nachdem die Vorgeschichte geklärt ist nun zum eigentlichen Beitrag. Denn es ging hernach direkt ins Infusionszimmer. Da HAES 6% bei solchem off-label use (danke an Pharmama über die ich diesen Begriff gelernt habe ;)) ) nicht von den Krankenkassen gezahlt wird, durfte ich es als IGel (Individuelle Gesundheitsleistung) bezahlen. Das erste mal: 10€ für eine 30 Minuten Infusion. Ich lag mich auf die liege, das Medikament, der Butterfly, das Desinfektionsmittel und die Blutabbindschlinge (wie heißt dieses Teil eigentlich?) wurden direkt neben mich gelegt. Erfreulich, ich konnte die Nadel also gleich begutachten. Grausig. Das Medikament selbst stammt dann auch noch von der Firma für die auch Praktimum in der Produktion arbeitet. Als ich ihr das schrieb, bekam ich erstmal ein „Oh weia“ gefolgt von einer Neben- und Wechselwirkungsliste. Mütterliche Fürsorge – besser als jeder Beipackzettel.

Nun kurz bevor die Ärztin kam, gesellte sich noch eine Frau zu mir, welche ebenfalls für eine HAES Infusion hier war. Wir unterhielten uns kurz und wünschten uns gegenseitig eine gute Genesung. Die Frau Doktor kam, entschied, dass es zu gefährlich sei in meine blühende Neurodermitis zu stechen und legte mir einen schmerzlosen, Zugang in die Hand. Auf Anhieb. Wirklich, 1A, davon kann sich mancher Arzt nochmal eine Scheibe abschneiden! Es floss dann auch problemlos los. Die Kollegin gegenüber wurde auch infundiert und dann ging das Getropfe im Duett weiter. Es folgten diese Aktivitäten: Warten, Blogs aufm iPhone lesen, Warten. Plötzlich rumpelte es draußen. Laut und deutlich. Jemand lallte, eine Frau kreischte. Und zwar kreischte sie die Arzthelferin an, dass sie ihre „inkompetenten Klauen“ von ihrem Freund wegnehmen solle. Als die beiden beruhigt wurden setzte man sie direkt vor unsere Tür. Die Arzthelferin kam nochmal rein und schaute kurz nach uns und dann stellte sie sich vor die Tür, eben jene leicht angelehnt an ihrem Rücken. Ich vermute mal, damit sie jederzeit einen Rückzug machen könnte wenn die Situation eskalieren würde. „Mein Freund hat einen Milzriss, er muss sofort behandelt werden!“, kam es in einem befehlsartigen Ton von der zuvor kreischenden Dame. Vom Mann kamen bestätigende Würg- und Kotzgeräusche.  Auf die Frage, weshalb sie nicht ins Krankenhaus sind, antwortete sie, dass man sie dort „bereits zweimal wieder weggeschickt habe.“ „Welches Krankenhaus?“, entgegnete die Arzthelferin. Eine Mischung aus Skepsis und Empörung lag in ihrer Stimme. „Praktisches Krankenhaus am praktischeren Ring, Station 69“, antwortete der Herr Patient.  Nun, die Bereitschaftspraxis besaß jedoch nicht die nötigen Einrichtungen um so einen Notfall zu behandeln. Die Arzthelferin bat an ein Taxi zum nächsten Krankenhaus zu rufen. „Ich fahre ihn selber!“, entgegnete die junge Frau. Und das Angebot, auf eine Überweisung zum Krankenhaus wurde mit den Worten: „Ich merke, wenn wir nicht erwünscht sind!“, vom Patienten selbst abgeschmettert. Bald darauf wurde es vor der Tür ruhiger. Etwa 20 Minuten später kam die Arzthelferin nochmal hinein zu uns, schüttelte immer noch den Kopf, und stöpselte uns ab.

Und bei „Neues aus dem Infusionszimmer #2“ erfahrt ihr, wie viele Butterflys an einem Patienten verbraten werden können, am Fallbeispiel „Praktikon“.

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